TUM San Francisco: Alumni-Chat mit Polly Arnold – ein Plädoyer für mehr Diversität in MINT-Fächern

Am 25. Februar 2021 versammelten sich TUM-Alumni und Freunde aus aller Welt zu einem virtuellen TUM San Francisco Alumni-Chat – diesmal mit TUM Ambassador Polly Arnold.

Screenshot des TUM Global & Alumni Veranstaltungs-Teams mit Polly Arnold
Professor Polly Arnold (unten rechts) im Gespräch mit TUM Alumni-Koordinatorin Isabel Werdin, TUM San Francisco Liaison Officer Jeff Ouimet und TUM Senior International Strategist Layla Eberle (v.l.n.r.) Bild: Screenshot TUM Global
Chemische Elemente in Fläschchen
Die Workshop-Teilnehmer erhielten einen spannenden Einblick in Polly Arnolds aktuelle Forschungsprojekte in der Synthetischen Chemie. Bild: Screenshot TUM Global
Slide mit Informationen zu Projekten von Polly Arnold
Pollys Engagement für mehr Diversität in MINT-Fächern spiegelt sich in ihren zahlreichen Projekten wider. Bild: Screenshot TUM Global

Polly Arnold ist Professorin für Chemie an der University of California, Berkeley und Direktorin der Abteilung für chemische Wissenschaften des Lawrence Berkeley National Laboratory. Beim TUM San Francisco Alumni-Chat sprach sie mit fast 50 Alumni und Freunden der TUM aus ganz Nordamerika, Lateinamerika und Europa. Das Publikum erhielt Einblicke in neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in Pollys Forschungsbereich und bekam Informationen aus erster Hand über ihr Engagement zur Förderung von Frauen und Diversität in MINT-Fächern.

Katalyse von Veränderungen in der Chemie 

Polly eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über ihre aktuellen Forschungsprojekte in der Synthetischen Chemie. Im Moment beschäftigt sie sich unter anderem mit der Frage, wie chemische Katalysatoren verbessert werden können. Sie und ihr Team entwickeln neuartige Katalysatoren, die beispielsweise Seltenerdelemente anstelle von Schwermetallen enthalten. Diese neuen Katalysatoren wirken schneller und sind weniger toxisch als ihre herkömmlichen Pendants. 

Weitere Projekte umfassen die Untersuchung der Actinoide und ihrer einzigartigen Elektronenkonfigurationen. Pollys Arbeit hat spannende Auswirkungen, die von der sicheren Entsorgung von Atommüll über die Entwicklung von neuen und umweltfreundlicheren Polymeren bis hin zu einem besseren Verständnis der Quanteneffekte reichen.

Eine Leidenschaft für Diversität in MINT-Fächern

Nach den faszinierenden Einblicken in Polly Arnolds aktuelle Arbeit ging der Fokus der Diskussion auf ihre zweite große Leidenschaft über: die Förderung von Vielfalt und Frauen in MINT-Fächern. 2012 erhielt Polly für ihre herausragende Arbeit in der Chemie und ihren Einsatz zur Förderung von Frauen in MINT-Fächern den Rosalind Franklin Award der Royal Society. Mit dem Preisgeld dieser Auszeichnung produzierte sie den Dokumentarfilm A Chemical Imbalance

Der Film beschreibt die lange Geschichte von Chemikerinnen an der Universität von Edinburgh und geht der Frage nach, warum Frauen in MINT-Fächern immer noch unterrepräsentiert sind. In diesem Kontext fasst Polly in drei Richtlinien kurz zusammen, wie die Naturwissenschaften für Frauen und Mädchen zugänglicher gemacht werden können.

Wie können STEM-Bereiche verändert werden?

Für Polly Arnold gibt es hier drei wesentliche Punkte:

  • Der erste und einfachste Schritt ist es, sich seiner persönlichen Einstellungen und Handlungen bewusst zu werden. Jeder von uns kann dafür einmal eine Sekunde innehalten und überprüfen, ob unsere Entscheidungen von unseren eigenen Vorurteilen beeinflusst werden. Wenn dem so ist, sind wir in der Lage, Diversität und Gleichheit zu fördern. 
     
  • Ein weiterer Schritt, den wir alle gehen können ist, zu ermutigen. Polly erzählte, wie ihr Vater auf ihre Begeisterung für die Naturwissenschaften aufmerksam wurde und sich daraufhin immer bemühte, ihr Interesse zu fördern. Als erstes arrangierte er einen Besuch in einer Klebstofffabrik für seine Tochter. danach organisierte er eine Tour durch das CERN (European Council for Nuclear Research) in der Schweiz. Mit ihrer Geschichte wollte Polly zeigen, dass die Ermutigung anderer, ihrer natürlichen Neugier für Wissenschaft und Technologie nachzugehen, lebenslange und positive Auswirkungen auf den Status von Frauen im MINT haben wird.
     
  • Ein dritter praktischer Tipp, den wir alle anwenden können, ist die aktive Förderung unterrepräsentierter Personen. Förderung ist von Mentoring zu unterscheiden. Bei Förderung geht es darum, vielversprechende Personen zu identifizieren, Möglichkeiten für sie zu schaffen und sie zu unterstützen, während sie an diesen Möglichkeiten wachsen und neue nutzen. Polly Arnold betonte abschließend noch, wie wichtig es ist, sein Team nicht bloß auf Vielfalt zu analysieren und ein Häkchen hinter einzelne Diversitätskriterien zu setzen. Der Fokus müsse auf der nachhaltigen Förderung von Vielfalt liegen.

TUM-Alumni und Freunde auf der ganzen Welt zeigten sich am Ende der Veranstaltung dankbar, dass sie von einer weltbekannten Forscherin und leidenschaftlichen Fürsprecherin für Diversität sowohl spannende Einblicke in die neuesten Entwicklungen in der Synthetischen Chemie wie auch wertvolle Anregungen für einen persönlichen Beitrag zur Förderung von Frauen in MINT-Fächern bekommen konnten. Wir werden den Weg von TUM Ambassador Polly Arnold natürlich weiterverfolgen und freuen uns auf weitere spannende Austauschmöglichkeiten.