TUM São Paulo Insights

Brasiliens Impfstoff-Forschung – eine lateinamerikanische Erfolgsstory

18. Februar 2021

Nicht erst seit der Covid-19-Pandemie sind Impfstoffe und deren Herstellung für die öffentliche Gesundheit von großer Bedeutung. Brasilien kämpft unter anderem aufgrund des tropischen Klimas mit einer Vielzahl von (Tropen-)Krankheiten, die eine lokale Impfstoffentwicklung und -herstellung notwendig machen. Liaison Officer Sören Metz zeigt, wie gut das größte Land Lateinamerikas in Sachen Impfstoff-Forschung aufgestellt ist.

Brasilien unterhält mit dem Instituto Butantan und der Stiftung Oswaldo Cruz (Fiocruz) zwei öffentliche Forschungseinrichtungen, die besonders in der Impfstoffentwicklung und -herstellung von Weltniveau sind. 

Das Instituto Butantan wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Bundesstaat São Paulo gegründet, um der damals im Hafen Santos grassierenden Beulenpest Einhalt zu gebieten. Berühmt wurde die Einrichtung mit ihrer Forschung im Bereich der Schlangengifte und auf dem Gelände des Institutes befinden sich noch heute ein Reptilium und ein Affenhaus. 

Gut versorgt dank Instituto Butantan und Fiocruz

Jährlich besuchen rund 300.000 Menschen das Institut und die parkähnliche Anlage, die direkt an den Hauptstadtcampus der Universität São Paulo anschließt. Das Institut hat eine Produktionskapazität von mehr als 200 Millionen Impfdosen pro Jahr und ist heute der wichtigste Hersteller von Grippeimpfungen in der südlichen Hemisphäre und der größte Impfstoffhersteller in Lateinamerika. Für 2021 ist die Produktion von 180 Millionen Impfdosen geplant – 100 Millionen CoronoVac-Impfdosen und 80 Millionen Grippeimpfdosen. 

Die Oswaldo-Cruz-Stiftung (Portugiesisch: Fundação Oswaldo Cruz, auch bekannt als Fiocruz) ist eine wissenschaftliche Einrichtung für Forschung und Entwicklung in den biologischen Wissenschaften mit Sitz in Rio de Janeiro. Sie gilt als eine der weltweit wichtigsten Forschungseinrichtungen für das öffentliche Gesundheitswesen und ist wie das Instituto Butantan auch ein Impfstoffhersteller. Außerdem ist Fiocruz eine medizinische Universität, die rund 32 Studiengänge im Bereich Gesundheit und Medizin anbietet.

Freie Heilfürsorge in Brasilien

Das Nationale Immunisierungsprogramm (Portugiesisch: PNI) wird über das öffentliche einheitliche Gesundheitssystem SUS (Sistema Único de Saúde) finanziert. Seit der Gründung des Programms im Jahr 1973 hat es sich zu einer der wichtigsten Maßnahmen des Landes im Bereich der öffentlichen Gesundheit entwickelt und wichtige Ergebnisse erzielt. Hierzu gehören die Zertifizierung Brasiliens als frei von der Polio-Wildvirus-Zirkulation, die Eliminierung der Röteln-Virus-Zirkulation und eine generelle bedeutende Reduzierung der Fälle und Todesfälle durch impfpräventable Erkrankungen in den letzten vier Jahrzehnten. Im PNI sind Impfraten von einer Millionen Menschen pro Tag möglich.

Vor diesem Hintergrund gehört Brasilien zudem zu den Ländern, die ihrer Bevölkerung die meisten Impfstoffe kostenlos zur Verfügung stellen. 

Impfstoffe gegen Covid-19

Auch bei der Impfstoffherstellung zu Covid-19 sind Fiocruz und das Instituto Butantan für die lokale Produktion der Impfstoffe verantwortlich. 

Das Instituto Butantan kooperiert mit dem chinesischen Hersteller Sinovac. Noch stellt es den unter CoronaVac bekannten Impfstoff mit dem aktiven Impfstoff aus China her – die vollständig lokale Herstellung wird in der zweiten Jahreshälfte 2021 erwartet. 

Fiocruz stellt den Oxford-AstraZeneca Impfstoff in seinen Einrichtungen in Rio de Janeiro her – auch hier kommt der aktive Impfstoff noch aus Indien, eine vollständig lokale Produktion ist ebenfalls für die zweite Jahreshälfte 2021 geplant.

TUM Center for Global Health

Die TUM ist mit ihrer Medizinischen Fakultät im Bereich Globale Gesundheit sehr aktiv und betreibt seit vier Jahren das Center for Global Health, welches unter anderem mit Institutionen in Lateinamerika – konkret in Mexiko, Brasilien und Peru – zusammenarbeitet. Wenn Sie Interesse an Kooperationen mit der TUM in diesem Bereich haben, kontaktieren Sie gerne das TUM São Paulo-Verbindungsbüro für Lateinamerika