TUM San Francisco: TUM Boring – alles andere als langweilig!

7. April 2021

Wie würden unsere Städte aussehen, wenn wir den privaten und öffentlichen Fahrzeugverkehr unter die Stadt verlagern würden? Studierende der Studierendeninitiative TUM Boring – Innovation in Tunneling werden diesen Sommer in den USA an der von Elon Musk gegründeten Not-A-Boring-Competition teilnehmen. TUM San Francisco Liaison Officer Jeff Ouimet hat mit drei Studenten des TUM Boring-Teams ein Interview geführt, um mehr über die Initiative, den Wettbewerb und ihre Erfahrungen als Mitglied einer studentischen Initiative der TUM zu erfahren.

Städte sind eng und schwer zu navigieren. Wir können Gebäude in die dritte Dimension erweitern, indem wir sie immer höher machen – aber die Menschen müssen sich immer noch auf ein zweidimensionales Straßennetzwerk verlassen, um zu diesen Gebäuden zu gelangen. Fußgänger stehen in Konflikt mit öffentlichen und privaten Fahrzeugen auf den Straßen und Gehwegen. Mit U-Bahnen können wir die dritte Dimension unterhalb der Straßen nutzen, allerdings nur in sehr begrenztem Umfang.

Können wir den Straßenverkehr unter die Oberfläche bringen? Diese Frage stellte Unternehmer Elon Musk, als er die Not-A-Boring-Competition ins Leben rief. Für den Wettbewerb sind Teams aus der ganzen Welt aufgefordert, Tunneltechnologien zu entwerfen und so zu bauen, dass Pkws und Frachtfahrzeuge durch ein unterirdisches 3D-Netzwerk in die Städte gelangen können.

Die Schnecke schlagen: TUM-Studierende stellen sich der Herausforderung

Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, hat ein Team von 60 talentierten jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren und Unternehmerinnen und Unternehmern der TUM die Studenteninitiative TUM Boring – Innovation in Tunneling gegründet. Das Team wird bald in die USA reisen, um an der ersten Not-A-Boring-Competition teilzunehmen. Was haben sie vor? Nicht weniger, als die schnellste Tunnelbohrmaschine der Welt zu entwerfen und zu bauen! 

Denn kaum zu glauben, aber wahr: Hochmoderne Tunnelbohrmaschinen sind immer noch 14 Mal langsamer als eine Schnecke. Das Ziel des Wettbewerbs ist es, eine Tunnelbaumaschine zu entwickeln, die die Schnecke schlagen kann. TUM San Francisco Liaison Officer Jeff Ouimet hatte kürzlich die Gelegenheit, sich mit drei der Gründern dieser Gruppe zusammenzusetzen, um über ihre studentische Initiative und die einzigartigen Möglichkeiten zu sprechen, die sie als Studierende an der TUM haben.

  • Marvin von Hagen studiert im fünften Semester an der TUM und macht seinen Bachelor in Management und Technologie.
  • Kilian Schmid ist Mechatronik-Student im dritten Jahr zum Bachelor.
  • Haokun Zheng studiert ebenfalls im dritten Jahr. Er strebt seinen Bachelor-Abschluss in Computer-Science an.

Warum Tunnelbau?

Jeff Ouimet fragte die jungen Unternehmer, was sie am Tunnelbau reizte. „Tunnelbau ist für mich sehr interessant, weil ich nie einen kurzen Weg zur Schule oder Universität hatte. Es ist so frustrierend. Dies ist eine einmalige Gelegenheit. Und ich wollte immer ein Start-up gründen“, erklärte Marvin von Hagen. Er weiß, dass Start-ups viel Kapital benötigen, um auf den Weg zu kommen, insbesondere wenn es um die Zahlung von Gehältern geht. Als Teil einer TUM-Studenteninitiative konnte er sein Ziel jedoch ohne diesen finanziellen Druck erreichen: „Bei diesem Projekt werden wir nicht bezahlt, weil wir noch studieren. Alle unsere Mitglieder studieren noch und niemand wird bezahlt.“ 

Kilian Schmid fügte hinzu: „Ich finde diese Gelegenheit großartig! Ein so großes Team für eine so komplexe Technologie zu haben, nicht nur für Software, sondern für etwas in der realen Welt. Das wirklich Coole an diesem Projekt ist, dass wir Hardware mit Software unterstützen. Zusammen machen sie dieses Projekt möglich.“

Mit Blick auf das Gesamtbild fasste Schmid die Motivation aller Gründer kurz zusammen: „Es ist die enorme Lücke zwischen dem aktuellen System und dem, was technisch möglich ist. Es ist verrückt, was mit so etwas wie einem autonomen Elektroauto in einem Tunnel möglich ist."

Keine Scheu vor einem Weltklasse-Wettbewerb

Die endgültige Liste der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Not-A-Boring-Competition umfasst zwölf Teams aus Industrie, Universitäten und sogar Hobbyisten aus Deutschland, Indien, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. TUM Boring ist eins von zwei deutschen Hochschulteams, das es unter die ersten Zwölf in diesen Wettbewerb geschafft hat. Das andere ist Dirt Torpedo von der DHBW Mosbach.

Auf die Frage, wen sie als ihren stärksten Mitbewerber ansehen, erklärte von Hagen: „Unser größter Konkurrent ist keine andere Universität. Unser größter Konkurrent ist die Zeit!“. Haokun Zheng fügte hinzu: „Wir haben unter den teilnehmenden Teams keines in unserer Größenordnung oder Projektgröße gesehen. Wir sind sehr zuversichtlich.“ Schmid wies auf die technischen Herausforderungen beim Transport ihrer Bohrmaschine in die USA hin. „Dies ist kein kleiner Prototyp, der leicht mit einem Auto oder Flugzeug transportiert werden kann. Es gibt mehrere Systeme, die zusammenarbeiten müssen. Gerade diese enorme Komplexität in Verbindung mit der Zeit ist die Herausforderung.“

Den Wert des praktischen Bildungsansatzes der TUM unter Beweis stellen

Ouimet wollte herausfinden, wie ihre Ausbildung an der TUM bei diesem Wettbewerb zum Tragen kommt. Zheng bemerkte, dass sich Erfolg im Ingenieurswesen nur durch die Kopplung von Theorie und praktischer Erfahrung einstellt. „Engineering erfordert viel Erfahrung, und das ist schwer zu lehren. Da die TUM uns neben unserem Studium bei unternehmerischen Projekten unterstützt, würde ich sagen, dass dies zwei Schlüsselkomponenten sind. Unsere Universität fordert von uns akademisch viel und fördert auch solche unternehmerischen Nebenprojekte.“ 

Schmid bestätigte diese Aussage und fügte hinzu: „Eine Sache, auf die wir bei den Bewerberinnen und Bewerbern für unser Projekt achten, ist, dass sie sowohl über akademische Erfahrung als auch über Projekterfahrung verfügen. Es ist wirklich cool hier in München, wie die TUM extracurriculare Projekte wie das unsere unterstützt. In unserem Projekt sind alle Disziplinen vertreten, vom Maschinenbau über die Elektrotechnik, die Informatik bis hin zu den Wirtschaftswissenschaften – einfach alles. Das ist unsere Erkenntnis der letzten Monate.“ 

„Fähigkeiten wie Teamwork und Effizienz können nicht akademisch vermittelt werden.“

Als Ouimet fragte, inwieweit ihre Erfahrungen mit der TUM Boring-Initiative ihre Weiterbildungs- und Karriereaussichten verbessern würden, antwortete Schmid: „Sehr viel!“ Er fuhr fort, dass es eine Ehre sei, in jungen Jahren ein so großes Projekt zu stemmen, und dass sie davon stark profitieren würden.

Zheng wies darauf hin, dass ihre Erfahrung mit der TUM Boring-Initiative unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung von Soft Skills von großem Vorteil für ihre Wettbewerbsfähigkeit in der Industrie sein wird. „Fähigkeiten wie Teamwork und Effizienz können nicht akademisch vermittelt werden. Zum einen werden wir eine großartige akademische Ausbildung durch die TUM haben und profitieren zudem von allem, was wir in diesem Projekt lernen.“ Von Hagen bemerkte: „Der Bonus, den wir in unserem Lebenslauf erhalten, ist nichts im Vergleich zu dem Bonus, den wir in Bezug auf das Lernen erhalten.“

„Einer der vielen Gründe, warum Projekte dieser verrückten Größenordnung tatsächlich möglich sind, ist, dass die TUM und Präsident Hofmann die Studierenden ermutigen, solche Projekte voranzutreiben.“

Die Studenteninitiative TUM Boring hat bei der TUM großes Interesse geweckt. Tatsächlich wird das Projekt von TUM-Präsident Thomas Hofmann stark unterstützt.

Auf die Frage, was dies für ihre Initiative bedeute, sagte Zheng: „Einer der vielen Gründe, warum ein Projekt dieser verrückten Größenordnung tatsächlich möglich ist, ist, dass die TUM und Präsident Hofmann die Studierenden ermutigt, solche Projekte voranzutreiben.

Unterstützung durch die gesamte TUM-Familie

Die TUM hat uns in vielerlei Hinsicht stark unterstützt, um unser Leben leichter zu machen, unser Team und unsere Teilnahme an diesem Wettbewerb überhaupt verwirklichen zu können. Sobald er von uns erfahren hatte, hat sich Präsident Hofmann an uns gewandt und ist uns in einem Gespräch sehr geradeheraus und hilfreich begegnet. Dies ist nur eine sehr allgemeine Darstellung dessen, wie die TUM bei Studierenden den Unternehmergeist fördert.“ 

Es ist nicht nur der TUM-Präsident, bei dem unser Projekt auf Interesse stößt. Das TUM Boring-Team hat auch in der deutschen Presse eine beachtliche Berichterstattung erhalten. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im Handelsblatt und in der Süddeutschen Zeitung ebenso wie in der Münchner Start-up-Presse Munich Startupgolem.de und Gründerszene.

Die unternehmerischen Ingenieurinnen und Ingenieure von TUM Boring – Innovation in Tunneling werden von der gesamten TUM-Familie unterstützt. Wir wünschen ihnen alles Gute, wenn sie in den USA antreten, um die Schnecke zu schlagen.

 

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