TUM São Paulo Insights

Grüner Wasserstoff in Lateinamerika – Chile als Vorreiter

20. Oktober 2021

Wasserstoff ist als alternative Antriebsquelle in aller Munde. Wenn er aus erneuerbaren Energiequellen hergestellt wird, spricht man von grünem Wasserstoff. Lateinamerika hat hier ein riesiges Potential und insbesondere Chile zeigt schon jetzt, wie die Zukunft – auch im Hinblick auf deutsche Kooperationen – aussehen kann.

Grüner Wasserstoff, für dessen Herstellung im Gegensatz zu seiner grauen Version keine fossilen Energieträger wie Erdgas in Raffinerien verwendet werden, gewinnt in der Industrie und im Verkehrswesen zunehmend an Bedeutung. Die Herstellungskosten sind bislang noch eine Hürde. Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt arbeiten jedoch daran, ihn möglichst effizient herstellbar und nutzbar zu machen, und die Regierungen dieser Länder unterstützen die Entwicklung des grünen Kraftstoffs ausdrücklich.

Potential in Lateinamerika

Aus einem neuen Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) geht hervor, dass grüner Wasserstoff einer der Haupttreiber für die nächste Phase des Energiewandels in Lateinamerika sein könnte.

Dem Bericht zufolge haben bereits elf Länder in der Region nationale Wasserstoffstrategien und Fahrpläne veröffentlicht oder arbeiten bereits daran: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Costa Rica, El Salvador, Panama, Paraguay, Trinidad und Tobago sowie Uruguay.

Derzeit befinden sich 25 Projekte zu grünem Wasserstoff in der Anfangsphase der Entwicklung. Ein großer Fortschritt verglichen mit 2019, als sich vor der Covid-19-Pandemie die kohlenstoffarme Wasserstoffproduktion auf drei Pilotprojekte in Argentinien, Chile und Costa Rica beschränkte.

Energiekosten sind ein weiterer wesentlicher Punkt für das große Umdenken zu mehr grüner Energie in Chile: Der Analyse zufolge machen besonders die vielfältigen und wettbewerbsfähigen erneuerbaren Energiequellen in einem Großteil der Länder die Region für die Projekte attraktiv. „Chile hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den weltweit wettbewerbsfähigsten Wasserstoff aus erneuerbaren Energien zu produzieren und zu exportieren, und viele lateinamerikanische Länder verfügen über die gleichen Voraussetzungen, die die Region zu einem weltweiten Vorreiter in der kohlenstoffarmen Wasserstoffproduktion machen können“, heißt es in dem Bericht.

Vorreiter Chile

Chile, das bei der Nutzung von Solarenergie weltweit führend ist, war das erste Land in der Region, das im November 2020 eine Nationale Strategie für grünen Wasserstoff aufgesetzt hat. Es ist auch das einzige lateinamerikanische Land mit zwei Projekten in der Entwicklung: 

  • HyEx, ein Projekt des französischen Energieunternehmens Engie und des chilenischen Bergbauunternehmens Enaex, und 
  • Highly Innovative Fuels (HIF), ein Projekt von AME, Enap, Enel Green Power, und den deutschen Partnern Porsche und Siemens Energy

HyEx mit Sitz in Antofagasta im Norden Chiles wird Solarenergie zum Betrieb von 1,6 GW Elektrolyseuren nutzen. Elektrolyseure sind Geräte, mit denen durch einen chemischen Prozess (Elektrolyse-) Wasserstoff erzeugt werden kann. Der erzeugte grüne Wasserstoff wird in diesem Fall direkt im Bergbau eingesetzt. 

Mitte 2021 hat die halbstaatliche Stiftung Fundación Chile ihren ambitionierten Investitionsplan vorgestellt: Anfang kommenden Jahres soll ein 300-Millionen-Dollar-Fonds veröffentlicht werden.

Hier geht es konkret darum, die Entwicklung von grünem Wasserstoff als Instrument für den Übergang zu sauberer Energie zu fördern. Zunächst möchte die Stiftung nicht-wissenschaftliche Projekte fördern, die bereits nach zwei bis drei Jahren Gewinne abwerfen.

Deutsch-Chilenische Energie Allianz

Die deutsch-chilenische Energiepartnerschaft hat im April 2019 ihre Arbeit aufgenommen. Partner sind das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und das chilenische Ministerium für Energie (ME). Das Projektbüro ist in Santiago de Chile ansässig. Die GIZ fungiert als Trägerin der Partnerschaft.

Im Juni 2021 wurde eine Task Force Wasserstoff eingerichtet. Ziel ist es, die Zusammenarbeit beider Länder zur Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für den Aufbau einer Wasserstoff-wirtschaft weiter zu intensivieren und konkrete gemeinsame Leuchtturmprojekte zu identifizieren.

Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier verwies auf das Programm H2Global – eine Initiative der deutschen Regierung, die darauf abzielt, grünen Wasserstoff zu importieren und Elektrolyseur-Projekte im Ausland zu unterstützen. Altmaier sagte, dass „die Zusammenarbeit mit Chile wichtig ist, weil die großen Akteure des deutschen Energiesektors neue Handelswege für den Import von grünem Wasserstoff als saubere Alternative zu fossilen Brennstoffen suchen“.

Kooperationen TUM-Lateinamerika 

Falls Sie an einer Kooperation mit der TUM oder mit chilenischen / lateinamerikanischen Partnern zum Thema grüner Wasserstoff interessiert sind, dann wenden Sie sich bitte an das TUM-Verbindungsbüro für Lateinamerika. TUM São Paulo Liaison Officer Sören Metz freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme.