TUM Brussels: EuroTech pilotiert Digital Learning Initiative mit interkulturellen Elementen

Die EuroTech-Partner greifen die Dynamik zur Digitalisierung auf, die im Verlauf der Coronakrise an allen Universitäten Einzug gehalten hat: Nach dem hybriden Wintersemester 2020/2021 und zahlreicher positiver Erfahrungen aus der Online-Lehre öffnete die Allianz ausgewählte virtuelle Kurse und bot Student Challenges im Bereich der EuroTech Focus Areas an. Aufgrund der eingeschränkten Studierendenmobilität und zunehmender Bedeutung von interkulturellen Trainings wurde das Pilotprojekt von Studierenden und Mitarbeitenden begeistert angenommen.

Visual für die Digital Learning Initiative mit den Logos der EuroTech-Partner

Die Digital Learning Initiative pilotierte im Wintersemester 2020/2021. Bild: EuroTech Universities Alliance

Unterer Teil einer neu entwickelten Fußprothese

Darstellung eines Fußprothese-Modells. Bild: TUM

Interaktive, leuchtende Bodenprojektionen

Die Studierenden entwickelten ein Projekt basierend auf interaktiven Lichtprojektionen. Bild: Bart van Overbeeke

Die von der TUM organisierte EuroTech Digital Learning Initiative begann im Oktober 2020 und endete erst vor kurzem im Februar diesen Jahres. Das Ziel, die physische Distanz zwischen den Allianzpartnern – Dänemarks Technische Universität (DTU), École Polytechnique (L’X), Technische Universität Eindhoven (TU/e) sowie École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) und Technion – zu überwinden und unsere Studierenden in einem virtuellen Austausch zusammenzubringen, wurde erfolgreich umgesetzt.

Die EuroTech-Aktivitäten fußen auf fünf, sich schnell weiterentwickelnden Focus Areas, die erstmals 2015 definiert und 2019 überarbeitet wurden. Im Rahmen der Digital Learning Initiative wurden die Forschenden aufgefordert, digitale Lehrformate zu pilotieren. Die TUM konnte aus Fördermitteln des nationalen Begleitprogramms für deutsche Hochschulen im Rahmen der EU-Pilotausschreibung Europäische Hochschulen – bereitgestellt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – eine Anschubfinanzierung leisten.

Virtuelle Kurse und Student Challenges

Einige Partneruniversitäten boten im Wintersemester 20/21 Online-Kurse in speziellen Bereichen an, beispielsweise Introduction to Earth System Science oder Global Geodetic Observing System and GNSS im Rahmen der neuen EuroTech-Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Space and Earth Observation. Weitere Kurse legten den Fokus mehr auf die Interdisziplinarität, so zum Beispiel Ethics of Responsibility: An Introduction to Applied Ethics. Zwei virtuelle Challenges im Bereich der Focus Areas Additive Manufacturing und Entrepreneurship and Innovation boten Studierenden aller Partneruniversitäten die Möglichkeit, in internationalen Teams an herausfordernden Aufgabenstellungen zu arbeiten. Unterstützt wurden sie dabei von Professorinnen und Professoren, die auf dem jeweiligen Gebiet Experten sind. Auf der Suche nach der bestmöglichen Lösung gingen die Studierenden gingen die Aufgabenstellungen mit viel kreativem Einsatz und großem Ehrgeiz an.

Additive Fertigungstechnik: ein innovativer Ansatz für eine Unterschenkelprothese  

Zwei studentische Teams stellten sich der Aufgabe, die von Prof. Peter Mayr, TUM Ordinarius des Lehrstuhls für Werkstofftechnik der Additiven Fertigung, formuliert und begleitet wurde. Ziel war es, dass die Studierenden einen innovativen, ressourcenschonenden Prototyp entwickeln, der vor allem Prothesenträgerinnen und -trägern auf der Südhalbkugel zu Gute kommen soll. Die Teams entwarfen ein Konzept für ein schlichtes Modell, das schnell und preiswert entwickelt werden kann und gleichzeitig hohen Qualitätsstandards genügt. Dabei kam der geeigneten Materialauswahl die entscheidende Rolle zu, denn dieses muss die uneingeschränkte Funktionalität der verschiedenen Prothesenteile gewährleisten.

Das TUM-Team war mit den Leistungen der beiden Studierendengruppen sehr zufrieden. „Ich war vom Engagement und den kreativen Einfällen der Studenten bei der Herangehensweise an die Aufgabenstellung sehr beeindruckt. Es war eine große Freude zu sehen, wie viel Spaß die Studierenden bei der Zusammenarbeit in internationalen Teams hatten“, sagte Prof. Mayr am Ende der Challenge. Die Studierenden untersuchten erfolgreich, wie mit Hilfe eines 3D-Druckers plastische und metallische Materialien entstehen – um daraus ein Vorführmodel für eine Beinprothese unter den Bedingungen zu entwickeln und zu produzieren, wie sie in einem Entwicklungs- und Schwellenland herrschen.

Entrepreneurship & Innovation: guided by light

Die zweite Challenge wurde unter der Leitung von Prof. Isabelle Reymen vom TU/e innovation Space ausgerichtet und von TU/e Intelligent Lighting Institute, Signify und IGNITE unterstützt. Die Aufgabenstellung bestand darin, Menschen als Gruppe durch ein interaktives Lichtsystem zu leiten und ihr Verhalten zu beeinflussen. Das internationale Studierendenteam entwickelte ein Konzept, um mit Hilfe eines Armbandes größere Menschenmengen zu weniger stark frequentierten Orten und Bars zu lotsen, um so eine angenehmere und entspanntere Atmosphäre zu schaffen.

Neben der eigentlichen Erfindung mussten die Studierenden eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und eine Marktanalyse betreiben, um schließlich ein praktikables Geschäftsmodel zu entwerfen. Damit verbunden ist die große Hoffnung, dass Großveranstaltungen bald wieder zum Studierendenleben dazugehören und das Leuchtarmband demnächst seine Anwendung in der Praxis findet.

Erfolgreiche Zusammenarbeit in internationalen Teams

Interkulturelles Bewusstsein und ein gemeinsames Verständnis sind der Schlüssel zu einer produktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit in einem globalen Umfeld. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Student Challenges hatten die Gelegenheit, neben dem Projekt an einem interkulturellen Training teilzunehmen. Dieses Angebot gewann an zusätzlicher Bedeutung, da sich die Studierenden aufgrund der Corona-Situation nur online treffen konnten.

Gegenstand des Trainings waren die Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen und Teamentwicklung sowie der Einfluss kultureller Unterschiede auf die Zusammenarbeit. Darüber hinaus wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Grundlagen des Konfliktmanagements im interkulturellen Kontext geschult. Die Studierenden waren von diesem zusätzlichen Angebot begeistert und wollen das Gelernte bei künftigen persönlichen und virtuellen Treffen anwenden.

Scaling up: die EuroTeQ Engineering University

Die EuroTech Digital Learning Initiative wird künftig einen festen Platz in der EuroTeQ Engineering University finden. Die EuroTech-Partner werden zusammen mit TalTech in Estland und der CTU in Tschechien gemeinsame interdisziplinäre Ingenieurstudiengänge über nationale und institutionelle Grenzen hinweg aufbauen. Tragende Säulen des interuniversitären EuroTeQ Campus werden der Zugang zu digitalen Kursen und die Erhöhung der physischen und virtuellen Studierendenmobilität sein. Aufgabenbasierte Formate werden fortgesetzt und Studierenden, Auszubildenden sowie bereits im Berufsleben stehenden Personen in Form der EuroTeQ Colliders zugänglich gemacht.

Sie möchten bei EuroTech oder der EuroTeQ Engineering University mitwirken? Bei Interesse kontaktieren Sie Maria-Valerie Schegk.